Loggia e.V.
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Loggia is pleased to present a solo exhibition by Maria VMier.
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Totale, 2025, Graphit, Tusche, Pigment, Acryl auf Papier, 41,8 x 59 cm
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Detail, 2025, Graphit, Tusche, Pigment auf Papier, 59 x 41,8 cm
Ich hatte gelesen, dass irgendwo irgendwann in der griechischen Antike Menschen ihre Fragen an das Orakel in kleine Bleibänder einritzten, diese dann gefaltet den Hüterinnen des Orakels übergaben. Es gibt irgendwo in einem Museum eine Sammlung solcher antiker Orakel-Bleibänder.
Blei, dünn gewalzt, ist sehr biegsam, und auch dünn sehr schwer. Ich bestellte einen Stapel Bleilappen. Die Oberfläche schimmert an manchen Stellen blau violett, meist aber erscheint sie in einem stumpfen Grau. Ich bilde mir ein, im Grau das Gewicht des Bleis zu spüren und im Blauviolett seine Toxizität. In diese Oberfläche zeichnete ich mit einem Nagel. Und falte- te die Lappen. Für die beiden Arbeiten hier sind die Bleizeichnungen der Grund, sie er- scheinen als Frottage auf dem Papier, erst mit Graphit, dann mit losem Pigment. Und dann mit Tusche gezeichnet, bis etwas irgendwie Bekanntes, fast zu Begreifendes erschien, in dieser Andeutung von Raum.
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A Painting, 2026, video, 3:02 min
Auf der Straße in Wien-Margareten bleibe ich an einem weißen Kasten stehen, etwa 60 x 60 x 100 cm, weißes Sperrholz schlecht verschraubt. Darauf grüne, rote, gelbe, blaue Bauklöt- ze. Dieses bunte Ding liegt schwer auf dem grauen Asphalt des Gehsteigs, leicht schief zur Bordsteinkante. Ich denke an Poller oder Prallsteine, die oft doch umgefahren werden, weil sie da hingestellt werden, wo tendenziell umgefahren wird, und dann verschieben sie sich aus ihrer gesetzten Position, obwohl sie so schwer sind. Sie sehen dann aus wie hingewor- fen. Ich mache ein Foto und gehe weiter.
Im Kanal des kleinen Wien-Flusses fließt das Wasser heute sehr flach. Ich stehe auf der Brü- cke und filme einige Minuten, wie sich das Wasser um einen Stein herumbewegt. Es staut sich leicht oberhalb des Steins, wölbt sich etwas auf, schwappt sacht über die Oberfläche und breitet sich aus, teilt sich nach links und rechts um den Stein herum, zwei Stränge, die um den Stein sich herumschlingen, sich einrollen und ausrollen und verbinden. Der Stein scheint einen schlängelnden Schwanz nach sich zu ziehen. Direkt unterhalb des Steines liegt das Wasser wie an den Stein angeklebt und still.
Fluss und Widerstand sind ein Begriffspaar, das ich seit einigen Monaten mit mir herumtra- ge. Vielleicht seit unserer Ruine-Recherche zum Donaukraftwerk Jochenstein. Sicher auch wegen den „Zeiten wie diesen“, in denen wir leben. Verankerung und Leitung der fliegen- den Bewegungen über die Widerstände auf oder unter dem Papier, von den Schwellen zwi- schen den Räumen, verengt durch die Türausschnitte. Wie Fluss und Widerstand produktiv werden können, wie im Kraftwerk. Widerstand auch als ästhetisches Problem. Ich lege Pa- pier durch die ersten drei Räume der Unteren Augartenstraße 26/27, durch zwei Türaus- schnitte hindurch.
Der Fluss durch die Türen hindurch ist eine Fiktion. Vielleicht deshalb ist dieses Bild das re- präsentativste das ich gemacht habe, seit ich so male wie ich male. Weil es eben den Fluss und den Widerstand zu imitieren sucht. Die Fiktion also von einem gegeneinander flüssig (veränderlich, amorph) und fest (ewig, unverrückbar). Auf der Fläche des Papiers gibt es keine echten Hindernisse. Die einzige erhabene Stelle ist die Schwelle. Auch über sie kann ich mit dem Pinsel hinweggehen.
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Conditions and Variables Tisch Tisch Bedingungen der Arbeitens Im Gehen [cut]
2024-26, Tusche, Pigment, Acryl, Eisenglimmer, Vinyl auf Papier, 230 x 925 cm
Im Gehen falle ich und fange mich, in rhythmischer Abfolge. Eine kontinuierliche Bewe- gung in die Ungewissheit in überschaubaren Sequenzen. Malen im Gehen, dachte ich. Ich gehe und ziehe einen Besen mit Tusche getränkt neben mir her. Schon bin ich am Ende des Blattes. 9 m in 9 sec. Das Format des Bildes so angelegt, dass es zu breit war für mein Studio in E Williamsburg, auch für alle nachfolgenden Arbeitsorte. Überblickslosigkeit, oder das Vertrauen üben in das Nichtsehen des Vorher und Nacher, aus der Erinnerung weiterden- ken. Also in Segmenten gearbeitet, in vielen Schichten, Teile eingefaltet, ausgefaltet, einge- packt, transportiert, wieder aufgefaltet, aufgeführt in Upstate NY für mein letztes Crit at Bard, dann im Reisegepäck nach München, es liegt da nur eine Weile, einmal schaue ich Teile an und weiß nicht weiter, nach Köln ins Atelierhaus der Südstadt, hier die Frottage der großen Tischplatte, Kreise um Teller. AiR. Die größeren Ringe auf den Bildern sind Plät- ze der Ruhe, gesetzt von oben auf das Papier, eine Entscheidung. Von dort aus kann ich mich neu orientieren in alle Richtungen, sie werden Drehscheiben. Nach Wien in die Unte- re Augartenstraße, Fischgrätparkett. Für die Ausstellung schneide ich das fertige Bild in zwei Teile.
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Orientations [kitchen table], 2026, Fineliner, Papier, Wachs, Pigment, Federstahl, 29,6 x 31,4
cm
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Orientations [kitchen table], 2026, Fineliner, Papier, Wachs, Pigment, Federstahl, 31,1 x 29,6
cm
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Orientations [kitchen table], 2026, Fineliner, Papier, Wachs, Pigment, Federstahl, 29,6 x 31,4
cm
(file: floorplan_vmier.pdf text: Floorplan download)
The exhibition is made possible with the kind support of Karl and Faber auctioneers, Stiftung Stark für Gegenwartskunst, Casandra Hermann & Tectus Insurance Brokers.