Neuer Kunstverein Wuppertal
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Die Ausstellung „Body Doubling“ im Neuen Kunstverein Wuppertal ist die erste kooperative Ausstellung der Künstlerinnen Sibylle Czichon und Hanna Kuster. „Body Doubling“ zelebriert den kollaborativen Prozess durch das Verschmelzen der Praxis beider Künstlerinnen, lässt einen eigenen Rhythmus entstehen, der sich manifestiert in einer dialogförmingen, raumgreifenden Komposition.
Die elf ausgestellten Bilder offenbaren ein durch Form- und Farbgebung festgeschriebenes Duett aus den für Sibylle Czichon typischen rhythmischen Texturen und räumlichen Geflechten, sowie der figürlichen Erzählbewegung und dem Farbschemata Hanna Kusters, das noch im Ausstellungsraum nachklingt. Statt abgeschlossene, autonome Werke nebeneinander zu stellen, präsentieren die Künstlerinnen eine Installation, die einerseits Fragen nach Endlichkeit verhandelt, andererseits Formfragen aufwirft und mit der Erwartungshaltung, sowie den Sehgewohnheiten der Betrachter*innen spielt. Der Ausstellungsraum wird zum Atelierraum: Klebestreifen an den Wänden, Farbspritzer, die suggerieren, dass die Werke scheinbar mitten im Entstehungsprozess zur Schau gestellt werden, davor der tatsächliche Atelierboden der Künstlerinnen, bestehend aus Milchtütenpapier.
Statt einer Präsentation im White Cube, werden Betrachter*innen mit vermeintlichen Störungen konfrontiert und dazu aufgefordert, das eigene Anspruchsdenken zu reflektieren: Welche Bedingungen stellen wir an das Medium der Malerei? Wann ist ein Kunstwerk beendet? Welche Forderungen werden an die Präsentation eines haptischen Werkes gestellt? Ebenso wie der scheinbar im Prozess festgehaltene Ausstellungsraum, folgt auch die Methodik der Bilder einem flüchtigen Prinzip. Sowohl Sibylle Czichon, als auch Hanna Kuster verstehen sich als Atelierkünstlerinnen, die oftmals gleichzeitig an mehreren Werken arbeiten. Hierbei wird die Farb- und Formgebung parallel entwickelt und, durch den bewussten Einsatz des Körpers als Werkzeug im Malprozess, Bildwelten gescheffen, die auf ihren Raum reagieren.
Die Methode des „Body Doublings“, bei der die Anwesenheit einer anderen Person hilft, Konzentration und Handlungsspielräume zu fördern, wird im Zuge der Ausstellung im Neuen Kunstverein Wuppertal zur künstlerischen Praxis erhoben. Zwar arbeiteten die Künstlerinnen in ihren jeweiligen Ateliers getrennt voneinander, doch tauschten sie die Werke im Prozess mehrfach hin und her. In stetiger Alternation, einem gemeinsamen Bildwerdungsprozess, entstand somit ein Repertoire, das die Praxis beider Künstlerinnen in elf Werken vereinigt.
In der raumgreifenden installativen Präsentation wird zudem die Nähe und Differenz der künstlerischen Ko- Präsenz innerhalb der Werke vielschichtig erkundet. Fest steht: Hanna Kuster und Sibylle Czichon verstehen einander durch ihre Werke — eine Brieffreundschaft des Malens, ein inspirativer Austausch, der die Gemeinschaft und das Potenzial der Kollaboration ins Zentrum rückt und Möglichkeiten der pluralen Bildfindung eröffnet.
Text: Meral Ziegler